Das Ende des Theaterspieles

1. Zu Beginn meines geistigen Erwachens erlebte ich in einem Visionstraum eine Situation, die sich erst in ferner Zukunft abspielen sollte.

Ich erkannte, dass ich auf der Bühne eines älteren Theaters stand. Es verfügte noch über die mit  Stuck verzierten Logen und Ränge der früheren Epoche, der Vorhang wurde mit der Hand aufgezogen, und die Kulissen wurden hin und hergetragen, von unsichtbaren Statisten, die im Hintergrund des Theaters wirkten. Die vielfältigen Veranstaltungen hatten ihre Spuren hinterlassen, und alles wirkte ein wenig ungepflegt und vernachlässigt. Trotzdem versprühte dieses alte Theater noch einen besonderen Charme, dem ich mich nicht zu entziehen vermochte. Ich spürte, dass es die letzte Vorstellung in diesem Theater war, weil es danach abgerissen werden würde.

Als ich mich umsah, konnte ich erkennen, dass das Theater gut besucht war, die Vorstellung schien gerade beendet zu werden. Die letzten Vorhänge wurden aufgezogen, die Zuschauer applaudierten lautstark und die Schauspieler verbeugten sich erfreut, weil sie eine erfolgreiche Spielsaison hinter sich gebracht hatten.

Der letzte Vorhang fiel und die restlichen Zuschauer verließen den Saal. Nun wurde die Bühne noch einmal hell erleuchtet. Ich sah, dass die Schauspieler langsam ihre Masken abnahmen und ihre Kostüme auszogen. Sie fielen sich in die Arme, beglückwünschten sich gegenseitig für ihre gute schauspielerische Leistung und freuten sich darüber, nun in den wohlverdienten Feierabend gehen zu können.
Mit großem Erstaunen erkannte ich, dass sich die Darsteller am meisten miteinander freuten, die während des Schauspieles die Rollen der größten Feinde gespielt hatten. In Wahrheit waren sie gute Freunde, die nur während des Schauspieles in diese Rollen geschlüpft waren.

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Voller Erstaunen wachte ich aus diesem Traum auf und erkannte, dass dies ein Symboltraum für das gesamte Aufstiegsgeschehen war und mich darauf vorbereiten wollte, dass ich auch in meinem Alltag die Masken aufmerksam betrachten solle, um zu erkennen, wer denn hinter der Maske meines vermeintlichen Feindes stecken könne.

2. Das neue Theater befindet sich bereits im Bau

Einige Jahre später erlebte ich im Traum eine Fortsetzung dieses ersten Theatertraumes.

Wieder befand ich mich in dem alten, ehemaligen Theater. Die letzte Vorstellung hatte stattgefunden. Die Zuschauer und Schauspieler verließen das Gebäude. Im gleichen Moment stürzte es in sich zusammen. Wie ein Kartenhaus fielen die Balken und Stein in sich zusammen. Es war unbrauchbar geworden.

Auf der anderen Straßenseite entstand gerade das neue Theatergebäude. Es hatte eine lichtdurchflutete Struktur, mit großen Fenstern, weiten Gängen und einer Glaskuppel als Dach. Als ich hinein ging, erkannte ich, dass es gar keine Bühne im Mittelpunkt geben würde. Das zukünftige Theaterspiel würde auf den Gängen stattfinden. Es würde auch keine speziellen Schauspieler mehr geben, ebenso würde die Funktion der Zuschauer eine Veränderung erfahren.

Das Theaterspiel würde sich innerhalb der Gästeschar, während des Flanierens auf den Gängen, ergeben. Einzelne Personen würden einen Sketch aufführen, improvisiert und aus dem Stegreif. Die umstehenden Zuschauer nehmen dieses Spiel interessiert und z. T. belustigt zur Kenntnis, applaudieren nach Abschluss der kleinen Vorstellung und flanieren dann weiter auf den Gängen.

Immer wieder entstehen kleine Spielsequenzen unter den Spaziergängern, die sich nach einer kurzen Zeit wieder auflösen, die Energie fließt und bewegt sich. Die Menschen begegnen sich freundlich und wohlwollend und finden Geschmack an den einzelnen Sketchen, an denen jede Person irgendwann einmal, fast wie von selbst, teilhaben wird.

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Nach diesem Traum wachte ich erheitert und glücklich auf Ich konnte erkennen, dass dies ein Bild für das neue Spiel in der neuen Energie sein würde.

Sabine Sophia Seraphina